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junge
welt, 12. September 2000:
Wer war Peter Edel?
jW sprach mit der Berliner Schriftstellerin
Gisela Steineckert
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F:
Sie waren mit Peter Edel befreundet, kannten ihn aus langen Jahren
gemeinsamer Arbeit. Was empfinden Sie, wenn in einer Zeit, in der
sich in diesem Land alles dagegen wappnet, den Neonazismus zu bekämpfen,
der Antrag durchgesetzt werden soll, einer öffentlichen Einrichtung
den Namen eines Häftlings von Auschwitz, Sachsenhausen und Mauthausen
zu nehmen?
Nun soll Peter Edel der Schandlappen IM angepappt werden, so wie bei
den Nazis der Judenstern. Er hat fünf Konzentrationslager überlebt,
sogar Auschwitz. Sein Geist war hellwach, sein Wesen das eines Künstlers.
Aber die Seele ist ihm von Folter, Hunger und ständiger Todesnähe
krank gewesen. Er war Kommunist, aber weder Utopist noch Dogmatiker.
F: Peter Edel hat sich viel damit beschäftigt, seine Erlebnisse,
den Widerstandskampf gegen den deutschen Faschismus in jüngeren
Generationen wachzuhalten. Was können seine Werke heute dazu
leisten?
Mein Freund Peter Edel hat eine Autobiographie geschrieben, die ich
mir in den Schulen als Teil der Aufklärung über Faschismus
und Antisemitismus wünschte. Als Kommunist glaubte er sich auf
der entschiedensten Barrikade gegen ein erneutes Aufflammen von deutschem
Antisemitismus und Nationalsozialismus. Ein Warner war er, der uns
manchmal auf die Nerven ging, weil er nicht daran glaubte, daß
eine militärische Niederlage reicht, um eine menschenfeindliche
Ideologie zu zerstören.
F: Worin sehen Sie die aktuelle politische Botschaft von Peter Edel
an die Nachkommenden?
Er hat nicht nur als Zeuge gegen Globke ausgesagt, er hat überall
und mit jedem gesprochen, der potentieller Verbündeter schien
oder Verantwortung zu tragen hatte oder gehabt hätte. »Der
Bauch ist fruchtbar noch«, das war, so kannte ich ihn, sein Thema
im Dialog mit wem auch immer. Wer ist als nächster dran? Victor
Klemperer? Juden überhaupt? Dieser Einfall der BVV Weißensee
zeugt von wirklicher Befassung mit dem, was uns Berlinern auf den
Nägeln brennt. Ich schäme mich und bekenne mich zu meinem
Freund Peter Edel.
Man könnte Peter Edel natürlich auch vor Gericht stellen.
Er gehörte zu den Geldfälschern im KZ Sachsenhausen. Das
ist vielleicht ein Tip.
(Interview: Arnold Schölzel)
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