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Veronika
Fischer. Diese Sehnsucht nach Wärme
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Bibliografische
Angaben
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Leseprobe
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| Bibliografische
Angaben |
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Gebundene Ausgabe:
Verlag Das
Neue Berlin, 2001 221 S. mit Illustrationen; 21 cm
ISBN 3-360-00956-8 Pappband
Schlagworte: Fischer,
Veronika (Sängerin); Biographie
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| Klappentext |
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Seit 30 Jahren ist Veronika Fischer
im Showgeschäft, das heißt: unvergessene Hits wie den
"Blues von der letzten Gelegenheit", "Daß ich
eine Schneeflocke wär" oder "Auf der Wiese haben
wir gelegen", begeisternde Konzerte, zahlreiche Plattenveröffentlichungen.
Was hinter den Erfolgen steckt an Arbeit und Konflikten, an Balnce
zwischen Privatem und Öffentlichem, an weiblichem Selbstverständnis
- davon erzählt das Buch.
Diese Biografie der Veronika Fischer
gibt sich nicht damit zufrieden, nur das Leben auf der Bühne
für das wahre und einzige zu halten. Von der Suche nach dem
eigenen Weg, dem eigenen Stil ist die Rede, von Erwartungen an sich
und an andere, von der Kraft, die aus Erfolgen, aber auch aus Rückschlägen
und Enttäuschungen wächst, von einer Gesellschaft, die
ihre Künstler hätschelte und bevormundete, von einer anderen,
die andere Mechanismen im Musikgeschäft und im Leben kennt,
von Trennungen, Irrwegen und Aufbrüchen. Und von dem Gefühl,
das die Lieder der Veronika Fischer immer wieder umkreisen: diese
Sehnsucht nach Wärme.
Veronika Fischer, 1951 im thüringischen
Wölfis geboren. In der GFamilie pflegten sie und ihre drei
Schwestern die Hausmusik, bevor "Vroni" eine Ausbildung
an der Hochschule für Musik und schließlich ihre Karriere
startete. Die führte sie als Sängerin zu Rockgruppen wie
Sterncombo Meißen und Panta Rhei und schließlich zur
eigenen Gruppe, "Veronika Fischer & Band". Oftmals
als "führende Rock- und Schlagersängerin" der
DDR apostrophiert. Viele Preise, mehrere LP. Ab 1981 in der BRD
erfolgreiche Solokarriere, weitere Platten und Auftritte bis heute,
zuletzt erschien "Tief im Sommer". Veronika Fischer lebt
mit Sohn Benjamin in Kleinmachnow bei Berlin. Die Schriftstellerin
und Liedtexterin Gisela Steineckert hat in enger Zusammenarbeit
mit Veronika Fischer deren Biografie geschrieben, die zugleich persönliche
Annäherung und Porträt ist.
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| Leseprobe |
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Vroni hatte ihre Kunst. Und kochte, wusch die Wäsche,
putzte das Klo, bügelte, trug Handschuhe bis zu den Ellenbogen,
reinigte auch die Fenster selber, ganz lustig, hat sie gern gemacht,
doch. Sie kaufte auch ein; das alles, der ganze Alltag, war nicht
so Laszlos Sache. Dafür konnte er Reifen und fast alle Ersatzteile
besorgen, hatte ja auch einen Europa-Paß. Den haben viele
gern in Anspruch genommen, und er konnte das nicht abschlagen, weil
die Kumpels ohne Visum den Weg ja nicht selber machen konnten.
Berlin-Friedrichshain und selbst der Reichtum eines halben Zimmers
mehr läßt sich nicht in die sonnigen Erinnerungen einreihen.
Sie hat es gern schön, verlangt viel von sich, das gehört
sich so, aber sie hat Scheu, auf etwas zu weisen, was der andere
selber sehen müßte. Nicht nur der Mann, auch die Musiker
bemerkten nicht, daß sie eine Riesin zu sein hatte. Es waren
wieder ihre Eltern, die mit Argusaugen sahen, wie ihre Tochter rackerte,
und da Laszlo immer so guter Laune war, nahmen sie ihm übel,
wie überanstrengt sie war. Aber sie hat ihn immer verteidigt.
Sonst hätte sie ändern müssen, was so nicht zu ändern
war. "Bei anderen" - sie lacht - "kannst du die Überforderung
nicht durchsetzen, also machst du alles selber."
Wenn du das zuläßt, wirst du auf Dauer am Partner schuldig.
Du müßtest dich wehren und tust es nicht. Aus Zweifel
am Glück, aus Angst vor Verlust und aus einem falsch geleiteten
polypenhaft wachsenden Verantwor tungsgefühl und aus Angst
vor Wörtern. Jaja, das wissen wir heute, aber wer weiß
das schon in solcher Verliebtheit und Unerfahrensein.
"Du nimmst vieles wahr, und es soll nicht wahr sein. Also guckst
du es dir schön. Was nicht stimmt, gleichst du selber aus.
Weil du so engagiert bist, und es soll doch besser gedeihn als bei
den Eltern. Nicht kleinlich und engberzig sein, nicht nörgeln,
nicht beharren, wenn der andere mit viel Charme halt andere Maßstäbe
verbindet." Als die beiden nach Berlin kamen, wußten
sie wenig über "Produktionsverhältnisse" und
kannten die Schleichwege nicht. Der gerade Weg führte in die
Generaldirektion, und wenn die Marianne Oppel heute sagt, sie hätten
dir die Füße küssen müssen, damit du bleibst,
bei dem, was du für das Publikum geworden warst, dann ist das
einerseits wahr und andererseits nicht. Es wurde ihr immer, und
zeitweise mehr als bei anderen, der eine Fuß geküßt,
dem anderen aber ein Bein gestellt. Der Kußmund und der Stellfuß
gehörten nicht derselben Person an, und damit teilte die Fischer
das Schicksal aller anderen Künstler, denen es zudem oft schlechter
ging als ihr.
Dieses Lächeln möchte ich malen können.
Es ist nicht das Kinderlächeln, nicht das von der Bühne.
Mit solchem Lächeln begrüßt sie dich nicht, aber
kann sein, du kriegst es beim Verabschieden. Mitten im Gespräch
taucht es auf, es kommt aus dem Innern und zieht sich dorthin zurück,
ist nicht auf Wirkung bedacht, ihr selber eher unbewußt, und
da ist die Wärme, die ich bei ihr finden wollte, aber ich wußte
nicht genau, ob es sie auch gibt. Oder nur, wenn sie singt, bei
den Worten ihrer Autoren, bei den Tönen, die für ihre
Stimme geschrieben sind. Die Komponisten nehmen da keine Rücksicht,
sie zwingen sie in die Höhe, in die warme Tiefe und zu Bögen,
die kann ich nicht einmal innerlich nachsingen. Sie ist umso besser,
je komplizierter mir die Musik scheint. Die wirkt ja bei Bartzsch
und auch bei Petersen strömend, also nicht ergrübelt,
sie scheint leicht, aber versucht es einmal, mit einem Atemzug dieses
Schweben und Schwingen, in solchem Umfang, noch mit Gefühlen
zu füllen.
(...)
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| Rezensionen |
"Neues
Deutschland" vom 12.Juni 2001:
Geliebte Außenseiterin
Gisela Steineckert über Veronika Fischer
Als man mir 1981 mitteilte, Veronika
Fischer sei jetzt auch rüber, kurvten meine Gefühle zwischen
Wut, Enttäuschung und Traurigkeit. Wütend war ich, dass
wieder eine Künstlerin, nachdem sie in der DDR eine solide Ausbildung
genossen und anschließend Karriere gemacht hatte, dem Ruf der
D-Mark gefolgt ist, um nun im Westen das große Geld zu machen.
Dabei, so war ich damals überzeugt, hatte man ihr doch mit der
Erteilung eines Dauervisums für Westberlin die Möglichkeit
gegeben, bei ihrem Mann und ihrem Sohn zu leben und im Osten weiter
zu arbeiten. Ihr Mann, Laszlo Kleber, ungarischer Staatsbürger,
hatte mit Sohn Benjamin in einer Nacht- und Nebelaktion die DDR via
Westberlin verlassen. Veronika Fischer erklärte, von allem nichts
gewusst zu haben. Man glaubte ihr, um sie zu halten, immerhin zählte
sie zum Besten, was die DDR auf dem Gebiet der Rockmusik zu bieten
hatte. Man bot ihr das Wohnrecht in beiden Teilen Berlins an. Ein
Novum damals. Nicht wenige hofften, dass dies ein kleiner Schritt
zumindest in einem Teilbereich des Alltags zwischen den beiden Deutschlands
sei. Eine vertane Chance. Die Sängerin blieb weg. Traurig, dass
von nun an ihre Lieder nicht mehr zu unserem Alltag gehörten,
denn nach gängiger DDR-Praxis wurden sie aus dem öffentlichen
Repertoire gestrichen. Zumal Franz Bartzsch, ihr Komponist und gelegentlicher
Gesangspartner, auch nach einem Gastspiel in Westberlin geblieben
war. Es waren nicht die besten Wünsche, die ich ihnen in Gedanken
hinterherschickte. Gott sei Dank verlangte damals niemand, das auch
öffentlich in dieser Zeitung zu tun.
Dass ich ihr damals in manchem Unrecht tat, weiß ich, nachdem
Gisela Steineckert jetzt gemeinsam mit der Sängerin diesen lesenswerten
Porträt-Band herausbrachte.
Nicht nur durch die Distanz der Jahre erscheint hier vieles in einem
anderen Licht. Autobiografien sind zur Zeit groß im Schwange.
Die meisten beschränken sich darauf, ein Leben in chronologischer
Folge abzuschildern, ein Bild zu zeichnen, das der Betreffende von
sich dem Publikum vermitteln möchte. Da ist dann viel geschönte
Wirklichkeit und oft geschickte Lüge im Spiel. Anders hier. Man
kann Veronika Fischer nur dazu gratulieren, sich für dieses literarische
Porträt auf Gisela Steineckert eingelassen zu haben. Verfügt
diese doch als einstige Präsidentin des Komitees für Unterhaltungskunst
der DDR über Binnensichten zur DDR-Kulturpolitik wie wenige.
Vor allem aber ist sie als Texterin vieler erfolgreicher Lieder für
zahlreiche Sänger mit dem Metier bestens vertraut und zugleich
auch als Künstlerin von damaliger Kulturpolitik betroffen. Und
sie verfügt als erfahrene Schriftstellerin über jene Sensibilität,
die es ermöglicht, bei ihrer Gesprächspartnerin hinter dem
Wort, der Geste, verborgene Gedanken aufzuspüren. Sie vermag
Vertrauen zu wecken, aufzuschließen. So erfährt man denn
auch manches aus dem Leben der Veronika Fischer, das sie anderen wohl
kaum so bereitwillig mitgeteilt hätte.
Sie hat nie viel Privates in die Öffentlichkeit entlassen. Präsent
war und ist sie mit ihrer Sangeskunst. Das Leben außerhalb der
Kunst hält sie unter Verschluss. In einem Metier, wo alles publik
gemacht wird für die eigene Publicity, eine Ausnahme. So darf
man sie wohl als Außenseiterin betrachten. Vermutlich hat Veronika
Fischer im Prozess der Buchwerdung auch manches über sich erfahren,
was sie bisher so nicht kannte.
Gisela Steineckert hat eine Methode gewählt, die dieses Porträt
aus dem Üblichen heraushebt. Sie unterbricht die Chronologie,
wenn es dazu dient, Erlebnisse und Haltungen der Sängerin in
einen Kontext zu stellen. Sie greift zeitlich vor, nutzt den Autorenkommentar,
um zu erhellen. So schafft sie auf sprachlich eindringliche Weise
Assoziationsräume, die Platz für eigene Gedanken lassen.
Dem Bedürfnis der Lesenden, einen Blick in die Intimsphäre
der Porträtierten zu werfen, nicht zuletzt entsteht ja daraus
das Interesse an derartigen Künstlerbiografien, wird nur in dem
Maße nachgegeben, wie es unumgänglich erscheint. Überaus
anregend ist allein schon der Mut zur Subjektivität, auch wenn
manches Ereignis vom Leser auf Grund eigenen Erlebens anders bewertet
werden mag.
(Günter Görtz) |
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